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| Von Dirk Kocherscheidt | |
| E-Mail: webmaster@dc-dartys.de | November 2000 |
Hier wird die Geschichte des Dartsports dargestellt. Neben der Entwicklung des eigentlichen Spiels wird auch dessen Verbreitung auf der Welt und die Entstehung der diversen Verbände beschrieben.
Darts gibt es in der einen oder anderen Form schon seit mehreren Jahrhunderten. Die genaue Entstehungsgeschichte des Dartsport ist allerdings gerade am Anfang ein wenig lückenhaft. Fest steht aber, dass der Sport seinen Anfang in Großbritannien gegen Ende des Mittelalters hatte. So wurden bei Kämpfen in Irland bereits im 16. Jahrhundert kurze Wurfspeere eingesetzt. Ob sich daraus der Dartsport entwickelte, ist hingegen zweifelhaft.
Wahrscheinlicher ist, dass Darts seinen Ursprung bei den Bogenschützen hatte. Sie wollten sich auch im Winter - also auch drinnen - üben und messen, wofür sie kürzere Pfeile brauchten, die man mit der Hand werfen konnte. Die ersten Ziele waren die Böden von Bierfässern. Wer am nächsten an den Korken in der Mitte des Fasses herankam, hatte gewonnen. Dieser Zeitvertreib wurde immer beliebter, sodass bald nicht nur Bogenschützen mit Pfeilen auf Fässer warfen. Dabei ging es dann natürlich nicht mehr nur darum, militärische Fähigkeiten auszubauen. Ob man nur aus Langeweile spielte oder bloß einen Vorwand braucht, um sich zu betrinken, die Leute fingen an, einfach aus Spaß zu spielen.
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| Heinrich VIII. & Anne Boleyn |
Das Spiel wurde immer populärer und man entschloss sich dazu,
Scheiben großer Baumstämme als Zielscheiben zu
benutzen - was sicher auch die Wirte freute, deren Fässer nun in
Sicherheit waren. Die Jahresringe und Risse im Holz eigneten sich
hervorragend dazu, verschiedene Punkte zu vergeben. Sogar der Adel soll
sich von der Begeisterung für dieses Spiel angesteckt haben lassen.
So soll Heinrich VIII. 1530 von Anne Boleyn,
seiner späteren zweiten Frau, einen Satz reich geschmückter
Pfeile geschenkt bekommen haben.
Es wurde immer mehr Darts gespielt, weshalb es nötig wurde, Standards bezüglich der Regeln und der Ausrüstung festzulegen. Das Barrel war meist ein ca. 10 cm langes Stück Holz, in dessen einem Ende eine Spitze und ins andere Ende Federn gesteckt wurden. 1898 wurden von einem Amerikaner gefaltete Papierflights patentiert. Ein Barrel, das nur aus Metall besteht, wurde 1906 von einem Engländer patentiert.
Die moderne Form des Darts, wie wir es heute kennen, gibt es seit 1896. Brian Gamlin aus Bury in England führte in diesem Jahr die heutige Zählweise ein. Die Wurfdistanz wurde ebenfalls um die Jahrhundertwende herum festgelegt. Um den Abstand zwischen Brett und Abwurflinie zu bestimmen, reihte man drei Kisten einer Brauerei namens Hockey & Sons, die den Südwesten Englands mit Bier belieferte, aneinander. Jede dieser Kisten war 3 Fuß lang, was 91,44 cm entspricht. Somit ergab sich eine Wurfdistanz von 9 Fuß, also 274,32 cm. Später verkleinerte die Brauerei ihre Kisten auf 2 Fuß (60,96 cm), sodass man nun vier Kisten nebeneinander stellte, um den Abstand festzulegen. Somit ergab sich also eine Wurfdistanz von 8 Fuß oder 243,84 cm. Diese Distanz wird heute noch in einigen Gegenden benutzt. Basierend auf dem Namen der Brauerei wird die Abwurflinie heute noch manchmal "Hockey" genannt.
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| Ein Dartspieler |
Anfang des 20. Jahrhunderts gab es ein Ereignis, das große Auswirkungen auf die Beliebtheit von Darts in Großbritannien hatte. 1908 wurde ein Wirt in Leeds beschuldigt, ein Glücksspiel zu betreiben, weil bei ihm in der Kneipe Darts gespielt wurde. Da Glücksspiele in Kneipen verboten waren, kam es zur Gerichtsverhandlung. Um zu belegen, dass es sich bei Darts um ein Geschicklichkeitsspiel handelt, bat der Wirt darum, eine Dartscheibe im Gerichtssaal aufstellen zu dürfen. Dieser Bitte wurde entsprochen und der Wirt warf drei Pfeile in die Zwanzig und forderte die Richter auf, es ihm nachzumachen. Wenn es sich bei Darts um ein Glücksspiel handelte, müssten sie in der Lage sein, dies auch zu schaffen. Natürlich gelang es ihnen nicht und sie stimmten zu, dass Darts ein Geschicklichkeitsspiel ist, das Können und nicht bloß Glück erfordert.
Nach diesem Urteil war der Siegeszug von Darts nicht mehr aufzuhalten. Darts wurde das beliebteste Spiel in Großbritanniens Kneipen und bis zum zweiten Weltkrieg gab es in so gut wie jeder Kneipe im Vereinigten Königreich ein Dartspiel. In den Kneipen wurden auch die ersten Teams gegründet und man begann, regelmäßig Spiele gegeneinander zu veranstalten. Mit der Zeit entstanden so die ersten Ligen und Turniere.
Die Beliebtheit von Darts wuchs mit den beiden Weltkriegen, denn die
Leute verbrachten mehr Zeit in Kneipen, um Kriegsgeschichten
auszutauschen und um sich von den schweren Zeiten abzulenken. Bei
diesen Gelegenheiten wurden meistens auch ein paar Pfeile geworfen.
Da immer mehr Menschen Darts spielten, wurde es Zeit, etwas Ordnung in die Sache zu bringen. So wurde 1954 die National Darts Association of Great Britain (NDA) gegründet. Zusammen mit der englischen Sonntagszeitung "News of the World" hat sie große Verdienste darin, den Sport sowohl national als auch international bekannter zu machen. "News of the World" veranstaltete von 1927 an eine Darts-Meisterschaft, die auch bei ausländischen Spielern sehr beliebt war. Die NDA veranstaltet seit 1957 nationale Wettbewerbe und setzte sich von Anfang an für die Standardisierung der Regeln und der Ausrüstung ein.
1973 wurde die British Darts Organization (BDO) durch Olly Croft gegründet. Sie brachte mehrere lokale Organisationen und Wettbewerbe zusammen. Vor allem bemühte sich die BDO aber darum, Sponsoren zu gewinnen und Darts-Veranstaltungen fürs Fernsehen zu organisieren, um den Sport noch beliebter zu machen. Diese Bemühungen führten dazu, dass Darts in den achtziger Jahren zum beliebten TV-Sport in Großbritannien wurde, nachdem bereits in den siebziger Jahren die ersten großen Spiele im englischen Fernsehen übertragen wurden. 1978 wurden von der BDO die Embassy World Professional Championships ins Leben gerufen - noch heute einer der größten und wichtigsten Wettbewerbe in der Welt des Darts.
Die zunehmende Kommerzialisierung hat dazu geführt, dass es in
Großbritannien und den USA mittlerweile einige große
Turniere gibt, die von großen Sponsoren finanziert werden und bei
denen es zum Teil sehr hohe Preisgelder gibt. Einige wenige Profis
können bis zu einer Million US-Dollar pro Jahr gewinnen.
Das Dartspiel wurde schon früh von Soldaten und Siedlern in die britischen Kolonien mitgebracht, sodass man durch das britische Imperium Darts heute fast in der ganzen Welt kennt. So sollen auch die Pilgerväter 1620 auf der Mayflower auf dem Weg in die Neue Welt eine Art Darts gespielt haben. In Amerika wuchs die Beliebtheit von Darts - wie in Großbritannien - gegen Ende des 19. Jahrhunderts. So wurde in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts von Bergarbeitern in Pennsylvania und New Jersey American Darts entwickelt und später angeblich durch Kahnfahrer auf dem Erie-Kanal nach New York gebracht.
1969 wurde die United States Darting Association gegründet, die Turniere veranstaltete und erstmals auch größere Sponsoren gewinnen konnte. Unter der Leitung von Tom Fleetwood wurde 1976 die American Darts Organization (ADO) gegründet, um die verschiedenen mit der Zeit entstandenen regionalen Organisationen unter einen Dachverband zu bringen. Die ADO veranstaltet knapp 300 Turniere pro Jahr und führt eine nationale Rangliste.
Da es immer mehr internationale Wettbewerbe gab, entschloss man sich 1976 unter starkem Antrieb der BDO die World Darts Federation (WDF) zu gründen. Am Anfang waren 15 Länder vertreten. Mittlerweile sind es um die 50 Länder aus sechs Kontinenten. In allen Mitgliedsländern wurde die Wurfdistanz standardisiert und seit 1977 gibt es einen World Cup, der alle zwei Jahre ausgetragen wird. Später kamen noch für jeden Kontinent einzelne lokale Turniere hinzu, die ebenfalls alle zwei Jahre stattfinden. Weiterhin führt die WDF eine weltweite Rangliste.
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| Ein Softdart-Automat |
In Deutschland wurde Darts durch britische Soldaten nach dem zweiten Weltkrieg eingeführt. Seinen Siegeszug begann es zwar erst in den siebziger Jahren, wurde dann aber sehr schnell äußerst populär. Während es 1979 ungefähr ein Dutzend Orte gab, in denen Darts gespielt wurde, findet man heute in so gut wie jeder Kneipe in Deutschland ein Dartspiel. 1982 wurde der Deutsche Dart Verband (DDV) gegründet, der eine bundesweite Rangliste führt und Turniere veranstaltet. Allerdings hat Darts in Deutschland natürlich nie den Status erreicht, den es in Großbritannien hat. So sieht man zum Beispiel im deutschen Fernsehen auch heute noch kaum Dartveranstaltungen.
Anfang der achtziger Jahre kamen Videospiele und andere
Automaten auf, die von immer mehr Wirten aufgestellt wurden. Zu dieser
Zeit wurden auch Softdart-Automaten entwickelt, die besonders in
Deutschland viele Freunde gefunden haben. Dabei wird mit Pfeilen, die
eine "weiche" Spitze haben, auf eine Plastikdartscheibe an einem
Automaten geworfen. Die Scheibe hat viele kleine Löcher, hinter
denen sich Sensoren befinden. Somit ist der Automat in der Lage, selber
die Punkte zu zählen und Spiele zu verwalten.
Obwohl es mehrere unabhängige Versuche gab, Darts zu standardisieren und weil es in erster Linie ein Sport ist, der von Hobbyspielern betrieben wird, gibt es noch heute viele Varianten von Darts, die alle noch aktiv gespielt werden. Das ist auch ein Grund für die ungebrochene Beliebtheit dieses Sports. Es gibt so viele Spielmöglichkeiten, dass für jeden etwas dabei ist.
Alle Angaben ohne Gewähr.